Sucralose (E955): Unbedenklicher Süßstoff oder riskante Zucker-Alternative?

Geschrieben von Annkatrin Bächle
10 Minuten Lesezeit
28. Juli 2023 zuletzt aktualisiert am 22. Juli 2025 von Kimberly Werner
unbedenklich als Süßungsmittel? Sucralose

Ein erfrischendes und süßes Getränk ganz ohne Kalorien, High-Protein Pudding oder Süßigkeiten ohne Zucker – klingt verlockend, oder?

Wer seinen Zuckerkonsum senken und trotzdem weiterhin gesüßte Lebensmittel essen möchte, dem sind in verarbeiteten Produkten bestimmt schon einmal Süßstoffe begegnet. Neben Aspartam, Acesulfam oder Stevia kommt hier auch oftmals Sucralose zum Einsatz. Der künstliche Süßstoff Sucralose kann in der Zutatenliste auch mit der E-Nummer E955 gekennzeichnet sein und befindet sich z.B. in einigen zuckerfreien Getränken, Joghurts, Süßigkeiten oder auch Proteinpulver.

Inhaltsverzeichnis

    1. Was ist Sucralose überhaupt?

    Sucralose wird aus Saccharose hergestellt, was nichts anderes ist als der herkömmliche Haushaltszucker. Der Zucker wird hierbei chloriert, wodurch die sogenannte Trichlorgalactosucrose entsteht – die Sucralose. Diese ist 600 mal so süß wie ihr Ausgangsstoff. Der Süßstoff wird in unserem Darm größtenteils nicht aufgenommen und einfach wieder ausgeschieden. Deshalb enthält Sucralose auch keine Kalorien und wird oftmals in Diät-Lebensmitteln eingesetzt. Sucralose wurde im Jahr 2004 als sicherer Lebensmittelzusatzstoff in der EU zugelassen und wird seitdem stetig vermehrt in Lebensmitteln eingesetzt. Insbesondere innerhalb der letzten Jahre wird das Süßungsmittel immer mehr in neu auf den Markt kommenden Lebensmitteln auch in Kombination mit anderen Süßstoffen verwendet.

    Doch kannst du Sucralose ganz ohne Bedenken konsumieren?

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt als maximale akzeptable Verzehrmenge für Sucralose eine Menge von 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht an. Diese Menge kann also täglich verzehrt werden, ohne dass ein gesundheitliches Risiko zu befürchten ist. Zum Beispiel kann eine Frau mit einem Körpergewicht von 60 kg ihr Leben lang täglich ca. 975 mg Sucralose verzehren. Außerdem ist für Getränke eine Höchstmenge festgelegt, sodass ein mit Sucralose gesüßtes Getränk maximal 300 mg Sucralose pro Liter enthalten darf.

    Anhand der Zutatenliste auf dem Lebensmittel kannst du allerdings nicht erkennen, wie viel Sucralose in einem Produkt tatsächlich enthalten ist. Konsumierst du über den Tag mehrere light-Produkte und Diät-Lebensmittel, bleibt daher unklar, ob diese Menge bereits erreicht wird.

    Die Auswirkungen von Süßungsmitteln auf den Menschen werden seit einigen Jahren weiterhin genauer untersucht. Jetzt zeigen neueste Forschungsergebnisse, dass der Süßstoff Sucralose gefährliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben könnte: “Der Süßstoff kann das DNA-Material in den Zellen schädigen” schreibt die WELT. Aber was ist wirklich dran an den aktuellen Schlagzeilen?

    2. Was sagt die Forschung zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Sucralose?

    Ein Forscherteam aus den USA (Schiffmann et al. 2023) stellte kürzlich fest, dass aus Sucralose in unserem Darm eine unerwünschte Verbindung entstehen könnte, welche die Darmbarriere und auch unser genetisches Erbgut schädigt. Die im Journal of Toxicology and Environmental Health publizierte Studie besorgt nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Gesundheitsexperten und Verbraucher. 

    Entdeckungen der Studie lassen aufhorchen: Sucralosehaltige Lebensmittel sind oftmals verunreinigt. Die Rede ist von Sucralose-6-Acetat, einer Vorstufe des Süßstoffs, die sich in winzigen Mengen in den Produkten verstecken kann. Doch damit nicht genug – es wird vermutet, dass unser eigenes Mikrobiom ebenfalls seine Finger im Spiel hat und aus Sucralose im Darm das Sucralose-6-Acetat entstehen lässt. Beweise dafür liefern beispielsweise Stuhlproben von Mäusen, bei denen nach dem Verzehr von Sucralose ca. 10% der aufgenommenen Menge als Sucralose-6-Acetat ausgeschieden wurde. Auch die Theorie besagt, dass in uns Bakterien leben, die zu dieser Umwandlung fähig wären. 

    Doch was bedeutet das für uns?

    Welche Auswirkungen hätte diese biochemische Veränderung der Sucralose, wenn wir ihr in gewissem Maße ausgesetzt sind?

    In Zellkulturversuchen mit menschlichen Darmzellen konnte nachgewiesen werden, dass dieser Stoff die Barrierefunktion störte. Aufgrund von veränderten Zellverbindungen, den sogenannten tight junctions, kann die Darmbarriere nicht mehr optimal abdichten. Als Konsequenz besteht die Gefahr, dass Fremdstoffe und Bakterien leichter eindringen und in unseren Blutkreislauf gelangen. Und nicht nur die Schutzschicht im Darm wurde durch diese Verbindung angegriffen, es konnte zudem in toxikologischen Tests nachgewiesen werden, dass Sucralose-6-Acetat eine erbgutschädigende Wirkung aufweist. Sucralose-6-Acetat führte hierbei zu Brüchen in DNA-Strängen, dem Genmaterial der Zellen.

    Die Vermutung der Autoren ist daher, dass schon der Verzehr von einem mit Sucralose gesüßten Getränk zur Überschreitung des Schwellenwertes für bedenkliche Stoffe führt.

    Glas mit bunte Bonbons

    3. Diskussion der Studienergebnisse

    Die Erkenntnisse werfen wichtige Fragen auf und lassen uns über die potenziellen Risiken von Sucralose nachdenken. Ist dieser vermeintlich harmlose Süßstoff vielleicht doch nicht so unbedenklich, wie wir bisher dachten?

    Schauen wir doch mal etwas genauer hin:

    Die Schädigung der Darmbarriere durch Sucralose und der Vorstufe konnte unter isolierten Laborbedingungen an Zellen nachgewiesen werden. Ob dieser Effekt auch im menschlichen Körper auftritt, wird durch die Studie jedoch nicht bestätigt. In unserem Darm schützt beispielsweise zusätzlich eine Schleimschicht und auch die Mikrobiota vor direktem Kontakt mit der Substanz.

    Das bringt uns daher zum wichtigsten Kritikpunkt: Lediglich das Sucralose-6-Acetat wies eine erbgutschädigende Wirkung auf, nicht jedoch der Süßstoff Sucralose! 

    Dieser Effekt zeigte sich zudem nur bei außerordentlich hohen Konzentrationen. Es ist fraglich, ob durch Lebensmittel tatsächlich eine so hohe Menge aufgenommen werden könnte. Diese Studienergebnisse lassen sich außerdem nicht einfach eins zu eins auf eine reale Situation beim Menschen übertragen.

    Das Fazit der Autoren basiert auf der Annahme, dass sich auch im Menschen die toxische Verbindung aus der Sucralose bildet.

    Bisher gibt es jedoch keine klaren Belege dafür, dass unser Körper Sucralose auf die gleiche Weise verstoffwechselt wie die kleinen Nagetiere. Es gibt bisher auch keinen nachgewiesenen Zusammenhang der Aufnahme von Sucralose und einem erhöhten Krebsrisiko. 

    Zusammenfassend lässt sich daher sagen: Es muss weiter untersucht werden, ob sich Sucralose auch tatsächlich im Menschen in relevante Mengen an Sucralose-6-Acetat umwandelt und daraus langfristig Gesundheitsschäden entstehen könnten. Außerdem sollte überprüft werden, ob die Spuren von Sucralose-6-Acetat in mit Sucralose gesüßten Lebensmittel bereits eine toxikologisch wirksame Grenze überschreiten.

    4. Weitere Effekte von Sucralose auf das Darmmikrobiom und den menschlichen Stoffwechsel

    Es gibt tatsächlich auch andere wissenschaftliche Untersuchungen, die uns Hinweise darauf geben, dass Sucralose unseren Darm beeinflussen könnte. Eine klinische Studie (Suez et al., 2022) zeigte bei Menschen mit moderatem Sucraloseverzehr bereits nach einer kurzen Zeitspanne von zwei Wochen eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms. Das Bundesinstitut für Risikobewertung betont jedoch, dass die vorliegenden Daten noch nicht ausreichend sind, um einen eindeutigen Zusammenhang festzustellen. Das liegt unter anderem daran, dass neben der Ernährung auch viele andere Faktoren, wie Medikamente, der Lebensstil oder die Umwelt eine zusätzliche Auswirkung auf die Vielfalt unserer Darmbakterien bewirken. 

    Außerdem haben Forschende noch etwas Interessantes entdeckt: Die regelmäßige Einnahme von Sucralose könnte unseren Blutzuckerspiegel beeinflussen.  Nachdem Studienteilnehmende mit regelmäßigem Sucraloseverzehr eine Testmahlzeit gegessen hatte, stieg der Blutzuckerspiegel im Vergleich zur Kontrollgruppe danach stärker an. Diese Ergebnisse würden darauf hinweisen, dass der regelmäßige Konsum von Sucralose als Süßstoff eine unerwünschte Auswirkung auf die Blutzuckerantwort bewirken könnte. Und das ist noch nicht alles. Andere Studien zeigen auch, dass Sucralose nach regelmäßiger Aufnahme die Insulinempfindlichkeit beeinträchtigen könnte und den Insulinspiegel nach der Glukoseaufnahme stärker ansteigen lässt.

    Wenn wir uns allerdings ausgerechnet Sucralose als Ersatz für Zucker aussuchen, weil wir eventuell an Diabetes leiden oder durch Zuckerverzicht unseren Blutzuckerspiegel konstant halten wollen, wäre das in dem Fall nicht kontraproduktiv? 

    Hierbei ist zu erwähnen, dass auch viele Interventionsstudien keinen Einfluss auf den Glucose- und Insulinstoffwechsel ermittelt haben. Aufgrund der widersprüchlichen Datenlage fasst das Bundesinstitut für Risikobewertung in seinem Bericht Anfang diesen Jahres zusammen, dass auch hier die Studienlage noch nicht ausreichend für eine konkrete Aussage ist. 

    5. Auf was sollte ich achten, wenn ich Lebensmittel mit Sucralose esse?

    Wie du gelesen hast, ist die Datenlage zum Süßstoff Sucralose teilweise widersprüchlich. Deshalb möchten wir dir ein paar Tipps zum Umgang mit dem Süßstoff geben.

    Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung musst du Sucralose nicht meiden oder reduzieren (Stand Februar 2023).

    Die Mengen in den Lebensmitteln sind generell so angesetzt, dass auch bei dem Verzehr mehrerer Diät– oder Light-Produkten keine kritische Aufnahmemenge erreicht wird.

    Wenn es um eine gesündere Lebensweise geht, sollten wir uns jedoch von der Vorstellung verabschieden, dass Süßungsmittel die ultimative Alternative zum herkömmlichen Haushaltszucker sind. Möchtest du deine Gesundheit verbessern, können wir dir ans Herz legen, den Zucker- und Süßstoffkonsum insgesamt zu reduzieren, damit sich die Schwelle für das Süßempfinden herabsetzt. 

    1. Probiere doch anstelle des Light-Getränks mal ein infused water mit Zitronenscheiben, Minze, Orange oder Gurke.
    2. Hast du Lust auf ein proteinreiches Dessert, greife doch anstelle des Proteinpuddings aus dem Supermarkt mal  zu einem selbstgemachten Quark mit frischen Früchten.
    3. Verwendest du Proteinpulver, kannst du beim Kauf gezielt auf ungesüßte und hochwertige Varianten zurückgreifen.

    Auf diese Weise reduzierst du langfristig und erfolgreich dein Verlangen nach Zucker sowie gesüßten Lebensmitteln.

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    Der Artikel wurde geschrieben von

    Annkatrin Bächle

    Annkatrin ist seit April 2023 Teil des Foodpunk-Teams, nachdem sie ihr Masterstudium der Ernährungswissenschaften (Uni Halle) erfolgreich abgeschlossen hat. Davor hat sie den Bachelor of Science Ernährungswissenschaften in Jena studiert.

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