Diabetes und Keto

Geschrieben von Marina Lommel
4 Minuten Lesezeit
31. März 2018 zuletzt aktualisiert am 17. September 2025 von Kimberly Werner
Keto Diät Diabetes

In diesem Artikel klären wir, ob eine Keto Diät Diabetes verbessern kann. Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zuerst ansehen, welcher Diabetes Typ vorliegt. Handelt es sich um Diabetes Typ 1 oder Diabetes Typ 2?

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunkrankheit, bei der die Bauchspeicheldrüse der Betroffenen kein oder nur wenig Insulin produzieren kann. Typ 1 Diabetiker sind daher auf Insulinspritzen angewiesen.

Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, bei der der Glucosespiegel („Zucker“) im Blut erhöht ist. Ursache ist eine Insulinresistenz der Zellen – sie reagieren nicht (oder nur eingeschränkt) auf das Signal von Insulin und lassen den „Zucker“ daher nicht in die Zellen. Um den Blutglucosespiegel zu senken, wird oft das Medikament Metformin verabreicht. Im weiteren Verlauf der Krankheit nimmt die Bauchspeicheldrüse Schaden und verliert nach und nach die Fähigkeit, Insulin zu produzieren. Dann muss auch ein Typ 2 Diabetiker Insulin spritzen.

Wenn du dich als Diabetiker ketogen ernähren möchtest, sprich auf jeden Fall mit deinem Arzt. Denn höchstwahrscheinlich muss nach einer gewissen Zeit deine Medikation angepasst werden – zum Beispiel die Metformin- oder Insulin-Dosis.

Eine ketogene Ernährung wird dabei helfen den Blutzuckerspiegel konstant niedrig zu halten, sodass die Schäden, die durch den stets erhöhten Blutzuckerspiegel entstehen können, vermieden werden können.

Mit der richtigen Ernährung, idealerweise mit etwas Bewegung kombiniert, kannst du Diabetes Typ 2 im Anfangsstadium wieder rückgängig machen. Der positive Einfluss auf deinen Stoffwechsel gelingt besonders gut, wenn du möglicherweise vorhandenes Übergewicht abbaust. Mit der ketogenen Ernährung lassen sich überschüssige Pfunde ganz besonders leicht abbauen – ohne Heißhunger und ohne Jojo-Effekt. Das verbessert die metabolische Gesundheit ganz enorm (die Gesundheit deines Stoffwechsels).

Sobald der Blutzuckerspiegel konstant niedriger ist, kann und sollte ggf. die Metformin-Dosis nach unten korrigiert werden, damit kein Unterzucker entsteht (Metformin würde den durch ketogene Ernährung ohnehin schon niedrigen Blutzuckerspiegel weiter reduzieren).

Als Diabetiker musst du noch genauer auf deinen Körper hören, als ein Mensch ohne Erkrankung. Achte darauf, dass du nicht durch falsch eingestellte Medikation in den Unterzucker rutschst. Eine gleichmäßige Energieversorgung und eine nur geringe Kohlenhydrataufnahme mit Kohlenhydraten, die vor allem aus ballaststoffreichem Gemüse kommen, sind die erste Basis dafür. Sprich mit deinem Arzt, ob du die Medikamenten-Dosis reduzieren kannst.

Als insulinpflichtiger Diabetiker solltest du besonders vorsichtig an die ketogene Ernährung herangehen. Insulinpflichtig können sowohl Typ 1-, als auch Typ 2-Diabetiker im späteren Krankheitsstadium sein. Als Diabetiker ist dir sicher der Begriff Ketoazidose bekannt. Viele Ärzte werfen die Ketoazidose sogar mit Ketose in einen Topf, was faktisch falsch ist.

Die Ketose ist ein physiologischer (also natürlicher / gesunder) Stoffwechselzustand, bei dem die Menge an Ketonkörpern leicht über den Normalwert erhöht ist. Die Ketose erreicht man durch Fasten oder ketogene Ernährung. In Ketose hat man zum Beispiel Ketonkörperkonzentrationen von 3-6 mmol/l. Beim gesunden Menschen können die Werte nicht weit darüber hinaus ansteigen.

Denn: Insulin ist der Gegenspieler von Ketonkörpern!

Dass Insulin ansteigt, wenn du Zucker isst, weißt du sicherlich. Aber wusstest du, dass auch Ketonkörper Insulin locken? Steigt der Ketonkörperspiegel im Blut, steigt auch der Insulinspiegel. Das Insulin führt dazu, dass ein Teil der Ketonkörper über den Urin ausgeschieden wird. So wird beim gesunden Menschen der Ketonkörperspiegel stets im physiologischen (also gesunden) Bereich gehalten. Er kann nicht höher steigen.

Anders ist das, wenn die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert. Der Ketonkörperspiegel steigt, aber lockt kein Insulin. Plötzlich hat der Ketonkörperspiegel keine natürliche Grenze mehr, keinen Gegenspieler. Darum kann es bei absolutem Insulinmangel (das heißt, wenn die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren kann) zu einer Ketoazidose kommen. Das sind Ketonkörperkonzentrationen von über 25 mmol/l – so hoch, wie sie beim gesunden Menschen niemals werden können.

Darum musst du als insulinpflichtiger Diabetiker nicht nur deine Blutzuckerwerte kontrollieren, sondern auch deine Ketonkörperkonzentration. Deine Insulin-Dosis muss so angepasst sein, dass sie sowohl Blutzucker als auch Ketonkörper reguliert.

Das klingt erst einmal kompliziert – daher informiere dich gut und sprich bitte mit deinem Arzt über die geplante Ernährungsumstellung. Langfristig wirst du auch als insulin-pflichtiger Diabetiker von einer ketogenen Ernährung profitieren – der Blutzucker bleibt konstant niedrig und die Insulindosis lässt sich reduzieren. Für einen moderaten Einstieg empfehle ich, erst einmal eine moderate Low Carb Ernährung (mit 50-100 g Kohlenhydraten pro Tag) und später eine moderate ketogene Ernährung (mit 30-50 g Kohlenhydraten pro Tag) zu testen. Schau einfach mal, wie du dich damit fühlst und wie sich deine Werte verändern.

Foto: Shutterstock / Durch Maya Kruchankova

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Der Artikel wurde geschrieben von

Marina Lommel

Marina gründete Foodpunk nach ihrem Abschluss in Ernährungswissenschaften und ist aktuell CEO des Unternehmens. Während ihres Studiums arbeitete sie in verschiedenen Bereichen, darunter in der Wissenschaftsredaktion beim Radio, Redaktion beim TV und Uni-Wissensmagazin sowie im Labor am DZNE in der Parkinsonforschung. Marina ist außerdem Autorin von 5 ernährungswissenschaftlichen Sachbüchern.

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