Darmgesundheit – warum wir mehr auf unseren Darm achten sollten

Geschrieben von Foodpunk Redaktion
7 Minuten Lesezeit
17. März 2022 zuletzt aktualisiert am 17. August 2023 von Annalena Gebhardt
Darmgesundheit – warum wir mehr auf unseren Darm achten sollten

Mit einer Länge von 6 bis 8 Metern und einer Oberfläche von circa 400 Quadratmetern ist unser Darm ein großes, wichtiges Organ in unserem Körper. Nicht nur die Verdauung und die Steuerung der Stoffwechselprozesse macht ihn wertvoll – der Darm hat so viel mehr Aufgaben, vor allem was unser Immunsystem angeht.

Inhaltsverzeichnis

    1. Das leistet der Darm

    Unser Darm enthält bis circa 100 Millionen Nervenzellen und ist mit 500 bis 1.500 verschiedenen Bakterienarten besiedelt. In der Darmschleimhaut finden sich bis zu 100 Billionen Bakterien. Das Interessanteste: Wir können 80 Prozent der Immunzellen im Darm lokalisieren. Damit beeinflusst er sehr stark das Immunsystem und spielt für die körpereigenen Abwehrkräfte eine große Rolle. Das bedeutet also, umso gesünder unser Darm ist, desto stärker ist auch unser Immunsystem.

    2. Weitere Funktionen des Darms in unserem Körper

    Auch Vitamine sind hier ein wichtiges Stichwort. Unser Darm ist für die Bildung bestimmter Vitamine verantwortlich. Dazu gehören z.B. Vitamin B12, Biotin und Vitamin K. Weiterhin bilden sich im Darm lebenswichtige Nährstoffe und der Botenstoff Serotonin. Du solltest deinem Darm also alle notwendigen Nährstoffe geben, sodass alle Körperfunktionen aufrecht erhalten werden können.

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    3. Der Darm als unser zweites Gehirn

    Kopf und Bauch sind sehr eng miteinander vernetzt. Unser Darm steht in ständigem Austausch mit unserem Gehirn über die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Stress schlägt uns deswegen wortwörtlich auf den Magen, oft müssen wir schlechte Nachrichten erst einmal verdauen und häufig treffen wir wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Das bedeutet: Unser Darm ist nicht nur für unsere physische, sondern auch in großen Teilen für unsere psychische Gesundheit verantwortlich.

    Darmgesundheit_Psyche

    Wichtige Entscheidungen treffen wir oft “aus dem Bauch heraus”.

    4. Das bedeuted eine gestörte Darmflora

    Bei einer gestörten Darmflora ist das funktionale Gleichgewicht im Darm gestört – es entsteht eine Dysbiose. Unsere Darmbakterien leben nicht mehr, wie im Normalfall, in einem ausgeglichenen Zustand. Das ist ein Nachteil gegenüber der ganzheitlichen Gesundheit des Körpers.

    5. Dadurch kann die Darmflora gestört sein

    Unsere Darmflora kann durch eine Vielzahl an Gründen gestört sein. Einige Gründe sind:

    • ungesunde, zuckerreiche Ernährung
    • ungesunder Lebensstil (Alkohol, Zigaretten, etc.)
    • Reizdarmsyndrom
    • Lebensmittelunverträglichkeiten
    • Allergien
    • Antibiotika
    • entzündungshemmende Medikamente (z.B. Ibuprofen)
    • chronische Darmerkrankungen

    Besonders eine Antibiotika-Einnahme kann die Darmflora nahezu zerstören. Es benötigt viele Monate, um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dein Darm braucht in dieser Zeit Unterstützung von dir.

    6. Das Reizdarm-Syndrom

    Das Reizdarm-Syndrom (RDS) zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes. Es sind in etwa 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. Dabei leiden Frauen häufiger als Männer unter dem RDS.

    Das typischste Symptom des Reizdarm-Syndroms ist der Schmerz im Bauch. Bauchschmerzen, die meist im Unterbauch festzustellen sind und länger als drei Monate anhalten, zählen zu den häufigsten Beschwerden. Sie treten meist krampfartig auf und wechseln in ihrer Intensität zwischen mild und schwer.

    Auch, wenn der Bauchschmerz das bekannteste Symptom ist, steht es nicht allein in Verbindung mit dem Reizdarm-Syndrom. Denn die Bauchschmerzen treten häufig zusammen mit folgenden Begleiterscheinungen auf:

    • Durchfall
    • Verstopfung
    • Blähungen und Blähbauch
    • Magenschmerzen
    • Übelkeit
    • Schmerzerleichterung nach der Stuhlentleerung
    • unvollständige Stuhlentleerung
    • Schleimbeimengung im Stuhl

    Betroffene des RDS sind zusätzlich des Öfteren müde oder haben Schlafstörungen, Rückenschmerzen oder sind nervös.

    Circa 60 Prozent der Betroffenen des Reizdarm-Syndroms reagieren auch auf Histamin in Lebensmitteln. Eine Histamin-Intoleranz kann nämlich eine Begleiterscheinung eines Reizdarms sein. Aber auch andersherum: eine unentdeckte Nahrungsunverträglichkeit, Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) oder gestörte Darmflora können Ursachen für das Reizdarm-Syndrom darstellen.

    Mehr zum Thema Reizdarm findest du in diesem Artikel “Reizdarmsyndrom – Wenn Essen zur Qual wird“.

    7. Weitere Folgen einer gestörten Darmflora

    Unser Immunsystem kann durch eine gestörte Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten. Das wiederum begünstigt die Entstehung von Krankheiten.
    Häufig sind das Folgende:

    • Hashimoto-Thyreoiditis
    • Neurodermitis
    • allergische Erkrankungen
    • Rheumatoide Arthritis

    Auch kleinere Infekte oder Beschwerden haben es dann leichter, sich in unserem Körper auszubreiten. Dadurch, dass unsere körpereigene Abwehr geschwächt ist, können schädliche Stoffe einfach “eintreten”. Dazu gehören z.B.:

    • chronische Muskel- und Gelenkbeschwerden
    • chronische Müdigkeit
    • Nervosität
    • Blähungen
    • Migräne

    8. Der Darm und die Histamin-Intoleranz

    Eine Histamin-Intoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin oder anderen biogenen Aminen. Durch die Dysbiose im Darm leben auch die Bakterien ist einem Ungleichgewicht. Das bedeutet, dass die “schlechten” Bakterien überwiegen. “Schlecht” steht hier in Anführungszeichen, da neben der guten Darmbakterien auch die schlechten benötigt werden. Wichtig ist nur, dass kein Ungleichgewicht zwischen beiden besteht.

    Daraus können sich sonst Folgen ergeben, z.B.:

    • erhöhte Histamin-Produktion im Darm
    • gestörter Histamin-Abbau
    • Verdauungsbeschwerden
    • durchlässige Darmschleimhaut (Leaky Gut)
    • erhöhtes Entzündungspotenzial
    • verringerte Nährstoffaufnahme
    • Nährstoffmängel
    • Entstehung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien

    Durch ein Ungleichgewicht im Darm kann die Produktion des histaminabbauenden Enzyms DAO (Diaminoxydase) gestört sein. Möglich ist auch, dass durch eine Fäulnisflora bzw. einen Überschuss an histaminbildenden Bakterienstämmen die Histamin-Produktion im Darm erhöht ist.

    Um herauszufinden, ob du eine Darm-Dysbiose hast, kannst du deine Darmflora direkt bei einem Gastroenterologen oder direkt bei einem Labor überprüfen lassen.

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    9. Eine gestörte Darmflora wieder aufbauen

    Hier kommt die gute Nachricht: Du kannst deinen Darm unterstützen und deine Darmflora wieder aufbauen, falls diese gestört ist. Andernfalls empfiehlt es sich auch, generell den Darm zu unterstützen und ihm etwas Gutes zutun. Im Alltag kannst du das z.B. durch deine Ernährung. Achte auf eine ausgewogene Ernährung mit Ballaststoffen und viel Obst und Gemüse, koche frisch und verzichte auf Fertiggerichte. Soweit es geht, solltest du auf Zucker und ungesunde Fette verzichten. Mit der wichtigste Punkt: Trinken! Besonders bei einer Histamin-Intoleranz ist das regelmäßige Wassertrinken wichtig, da Histamin wasserlöslich ist. Generell ist aber eine Wasserzufuhr über den Tag verteilt unerlässlich, auch für den Darm.

    Wasser trinken

    Besonders bei einer Histamin-Intoleranz ist das regelmäßige Wassertrinken wichtig.

    10. Allgemeine Tipps für deine Darmgesundheit

    Es gibt eigentlich ganz einfache Richtlinien, wie du deinen Darm fit halten kannst. Wir möchten dir zum Ende noch einige Tipps mit auf den Weg geben:

    Auf die Ernährung achten und trinken
    Dieser Punkt wurde eben schon erwähnt. Aber da er so wichtig ist, hier noch einmal zusammengefasst:
    Bei deiner Ernährung solltest du darauf achten, dass sie ausgewogen ist. Hilfreich ist es auch, Gluten und Milchprodukte zu reduzieren. Gluten kann viele Beschwerden verursachen, auch wenn du nicht unter einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leidest. Dazu gehört z.B. Kopfschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Gelenkschmerzen. Milch kann ebenso zu Problemen im Magen-Darm-Trakt führen.
    Gesunde Ballaststoffe sind unerlässlich für einen gesunden Darm. Dazu zählen z.B. Chiasamen. Sie sorgen dafür, dass dein Darm “sauber” bleibt und somit richtig funktionieren kann. Auch Prä- und Probiotika können deine Darmflora unterstützen. Lies in diesem Artikel mehr dazu.
    Wasser zu trinken sollte Punkt eins der Tagesordnung sein. Nur, wenn der Körper mit genügend Flüssigkeit versorgt wird, kann er auch richtig arbeiten und so auch besser verdauen.

    Neben der ausgewogenen Ernährung, solltest du auch darauf achten, langsam zu essen und zu kauen. So kann die Nahrung leichter verdaut werden.

    Entspannungstechniken
    Da der Darm und die Psyche eng miteinander zusammenhängen, haben Entspannungstechniken große, positive Auswirkungen auf unseren Darm. Dazu zählen z.B. Yoga, Meditation, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, eine Bauchmassage, konzentrierte und achtsame Atmung oder auch Wärme. Mit einer Runde Yoga kann man prima die Faktoren Entspannung und Bewegung kombinieren.

    Bewegung
    Unser Darm liebt Bewegung. Dadurch wird die Verdauung angeregt und der Darm kann sich ordnen. Dazu musst du keinen Hochleistungssport machen, es reicht sogar ein täglicher Spaziergang. Dieser bringt nicht nur deinen Darm, sondern dein gesamtes Herz-Kreislauf-System in Schwung!

    Dein Darm ist so wichtig für deinen Körper, er wird es dir danken, wenn du dich um ihn kümmerst!

     

    Dieser Artikel wurde für uns von histafit.de verfasst. Die Gründerinnen Ana und Melina sind bzw. waren beide von einer Histamin-Intoleranz betroffen, haben aber einen gesunden und ganzheitlichen Weg gefunden, um beschwerdefreier zu werden. Das Ziel von HistaFit ist es, Histamin-Intoleranz bekannter zu machen und möglichst vielen Betroffenen zu helfen, in dem sie sicher durch den „Histamin-Dschungel“ führen.

    Der Artikel wurde geschrieben von

    Foodpunk Redaktion

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